Unglaublich, es geht wirklich endlich los – nach ewigem Hin und Her und einem völlig unüberlegten Kopfsprung in die unbekannten Gewässer der behördlichen Genehmigungsverfahren: der erste Spatenstich!

(Da schießt mir – ganz getreu der ehrlichen Wahrheit aus den ersten Sätzen von „Wie alles begann“ noch ein kleiner Nebenkriegsschauplatz durchs Gehirn – nämlich wie es zu diesem ersten Spatenstich kam: eifrig und aufgeregt habe ich mich Ende des Jahres 2019 durch die notwendigen Anträge beim Bauamt gearbeitet. Zur Freude meines Geldbeutels war es dank meiner Ausbildung rechtens, dass ich meine eigene Architektin sein durfte – zur großen Belastung und zum tiefen Elend meines Nervenkostüms auch!)

Vom Paragraphen-Dschungel zum Teegarten

Völlig ahnungslos habe ich mich tapfer durch diverse Paragraphen gearbeitet und alle erforderlichen Unterlagen zusammen gesammelt. Glücklicherweise war das Projekt ja ziemlich überschaubar – ich habe es gerne zusammen gefasst mit dem Stoßseufzer: „Herrgott – eigentlich will ich doch nur einen Kühlschrank in meine Garage stellen“. Jedenfalls verlangte das Bauamt einen Kanallageplan für die Genehmigung – den sollte ich theoretisch bei den Stadtwerken anfordern können – konnte ich aber nicht. Wie schon das ein oder andere mal erwähnt, ist Wilsede eine ganz klein wenig aus der Zeit gefallene Glückseligkeit. Wir leben hier einen anderen Rhythmus, als der Rest der Welt – jedenfalls ist unser Örtchen für die Stadtwerke noch weitgehend ein Schwarzes Loch der Informationslosigkeit. Dem Bauamt war das bewusst – genauso wie die Tatsache, dass ich hier ja kein großes Bauvorhaben durchführen wollte, sondern nur mal ein wenig den Schuppen aufräumen. Was längst überfällig war (auch wenn meine Freundin Diva – ihres Zeichens Profiteurin meines kleinen Nebenprojekts „Sozialer Wohnungsbau für Fledermäuse“ – das sicher nicht so gesehen hat). Jedenfalls waren sie so nett, auf den Kanallageplan zu verzichten.

Oder doch nicht?

Darüber konnte ich mich genau so lange freuen, bis die Stadtwerke für die notwendige Genehmigung zur Nutzung der Abwasserkanäle genau so einen Kanallageplan einforderten, wie sie ihn eigentlich hätten bereitstellen sollen für die Baugenehmigung. Ohne ihre Genehmigung dürfe ich nicht anfangen zu bauen, so lautete die Aussage. Auf meine höfliche, möglicherweise leicht ironisch formulierte Nachfrage wie ich denn rausbekommen soll wo die Kanäle verlaufen, wenn ich nicht anfangen darf zu graben, habe ich keine wirklich befriedigende Antwort bekommen.

Zum Glück hatte mein tiefenentspannter Göttergatte eine ziemlich geniale Lösung für dieses Problem parat – ich will an dieser Stelle nicht so ganz genau darauf eingehen wie seine Lösung aussah. Bin mir dann doch nicht ganz so sicher, ob man folgenden Satz nicht vielleicht zu unseren Ungunsten auslegen könnte: „Wieso – ich baue ja nichts, ich grabe nur ein Loch vor unser eigenen Haustür – das kann ja gar nicht verboten sein“. Ein Schelm, der Arges dabei denkt!

Wo war ich? Ach ja, richtig:

Der erste Spatenstich!

In Wilsede zu graben ist wie Schatzsuchen: Hier stößt man auf ein verschmortes Reststück Verpackungsplastik mit einem angesengten Deutschen Reichsadler, dort auf ein 50 Pfennig-Stück von 1805 (damals habe ich mich tatsächlich einen Moment lang nach der versteckten Kamera umgeschaut), von geheimen Strom- und sonstigen Versorgungskabeln ganz zu schweigen. Aus diesem Grund hat sich mein umsichtiger Vorarbeiter und Ehemann auch nicht getraut mit dem Minibagger anzurücken, sondern hat tatsächlich in liebevoller, vorsichtiger Handarbeit Spatenstich für Spatenstich 19,5m Kanalgraben ausgehoben – an der tiefsten Stelle 1,7m – ohne Worte!

Den ganzen Sonntag lang hat er Maulwurf gespielt, am Dienstag sollte das Sanitärunternehmen Witte kommen und mit den Verlegearbeiten anfangen. Und auch wenn es so wirken mag – unsere blinde Katze ist manchmal nicht wirklich als konstruktive Hilfe einzustufen. Unsere Freunde hatten sich für den Tag unseren geräumigen Bus ausgeliehen und als Gegenleistung ihren Sohn da gelassen. Er hat tüchtig mit angepackt. Es war ein wirklich anstrengender Tag aber es sah so aus, als sollte es uns vergönnt sein, ihn mit einem prachtvollen Saibling in der Muurikka über dem Lagerfeuer gebraten erfolgreich ausklingen zu lassen.

Nach schmackhafter Stärkung arbeitet es sich ja gleich viel leichter!

Dirk hatte auf ca. 70cm Tiefe an der Hauswand ein Rohr gefunden von dem wir mit guten Grund ausgehen konnten, das es unser Abwasseranschluss sein müsste. Auf dieses Rohr hatte er die ganze Strecke sorgfältig freigelegt damit vom Schuppen aus die neuen Rohre daran anschließen sollten. Dann kamen unsere Freunde für den erhofften freudigen Tagesabschluss – Nobbi, seines Zeichens patenter und kompetenter Spross einer hiesigen Sanitärdynastie, schaute mit Kennermiene erst AUF Dirks Tagewerk – einen beachtlichen Erdwall an Aushub – dann IN Dirks Tagewerk und fragte vorsichtig:“ sag mal, dir ist hoffentlich klar, dass du den Graben auf ein totes Rohr ausgelegt hast?“

Ja – sicherlich hat sich die Welt weitergedreht – aber für uns war sie für diesen Moment erst einmal gründlich aus den Angeln gehoben. Ja – sicherlich war die Arbeit des Tages nicht ganz umsonst – aber für uns fühlte es sich in diesem Augenblick erst einmal so an. Sicherlich konnte so ein kleiner Rückschlag nicht ernsthaft unser ganzes Projekt gefährden – aber wenn man mit blasigen Händen und schmerzendem Rücken persönlich betroffen ist, dann hat man verdammt nochmal gerade keinen Sinn für schlaue Sprüche!

Und was sagen unsere Freunde: „ Wisst ihr was, wir haben den ganzen Tag nur in diesem Auto gehockt und sind über Autobahnen gebrettert – meine Jungs und ich müssen uns unbedingt nochmal so richtig bewegen, wir futtern jetzt erst einmal den leckeren Fisch auf – und dann wollen wir doch mal sehen wo das verflixte Rohr wirklich liegt!“

Vom guten Ende – und guten Freundschaften

Und genau so haben sie es gemacht – in stockdunkler Nacht haben die Männer und die Männchen so lange gegraben, bis das richtige Rohr nicht nur gefunden, sondern auch freigelegt war (und ja Matti – du hattest Recht – Spundwände hätten die kleine nächtliche Lawine verhindert – aber trotz dieser Wahrheit bin ich mir nicht ganz sicher, ob wir bei meiner nächsten Teegarteneröffnung kurz vor Mitternacht noch welche ziehen würden).

Nächtliche Suche nach einem Rohr (Bildmitte)

Wenn ich eines gelernt habe in den letzten zwei Jahren: Nichts ist wichtiger als gute Freunde – DANKE euch allen!

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