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Gib einfach mal den Löffel ab – dann lebst du glücklicher!

Geschrieben am: 18. März 2026
Von: Claudia Mertens

Es war Samstag – ausnahmsweise mal ein warmer, in dieser reichlich verregneten, ziemlich kalten ersten Saison. (Ja meine lieben grünen Freunde, ich höre eure Stimmen in meinem Kopf – ihr habt jeden einzelnen Tag genossen und euch mit einer Üppigkeit und Blühfreude revanchiert wie ich sie schon seit mehreren viel zu heißen und trockenen Sommern nicht mehr gekannt habe – es war eine sehr tröstliche Pracht!) Jedenfalls fand das wunderleckere Bauernhofeis von Frau Lübberstedt aus Salzhausen an diesem Tag mal die Beachtung, die es auch verdient hat. Jede Menge Gäste entschieden sich für eine Portion dieser Köstlichkeit und sicher bereute es niemand. Einige waren sogar mit der pfiffigen Verpackung schon vertraut und wussten, dass in einem Geheimfach im Deckel ein kleiner Holzspatel steckt, mit dem man die Leckerei wunderbar löffeln kann.
Als wahrer Genussmensch wusste ich natürlich auch, dass es immer wieder Gäste gab, die das Gefühl von Holz an den empfindlichen Lippen nicht so gerne mochten – und zum Glück bin ich ja auch überreich mit Löffeln ausgestattet, es ist also wirklich gar kein Problem sich in „Mein Teegarten“ einfach einen Löffel für das Eis zu nehmen – vertrackter weise stand dann aber irgendwann eine wirklich nette Frau vor mir, die sich die Rückwanderung versüßen wollte – am liebsten mit einem Eis - - - mit richtigem Löffel.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir im ersten Moment eine Menge unfreundlicher Gedanken durch den Kopf schossen: “Wenn das jeder macht hast du bald keine Löffel mehr - so schlimm ist der Holzspatel ja nun auch wieder nicht, soviel ich weiß, hat er bisher noch kein einziges Mal zurück gebissen - sie sagt sie will ihn zurückbringen, das kann ja jede sagen!“
Zum Glück konnte und kann ich immer noch ziemlich schnell ziemlich viel gleichzeitig denken (na ja, ob das immer ein Glück ist, diskutiere ich bei Gelegenheit mal mit meiner Yogalehrerin) und diese Gedankenfolge stahl mir nur wirklich wenige Sekundenbruchteile bevor sich die Wahrheit zu Wort meldete: “Das ist doch jetzt bitte nicht dein Ernst, du hast jeden einzelnen dieser Löffel von deiner Nachbarin Frau Dr. Büttinghaus geschenkt bekommen als sie ihre Gaststätte geschlossen hat. Du hast so viele das du bisher sogar zu faul warst sie zu zählen – du würdest es doch nicht einmal merken, wenn wirklich jemand einen klauen würde – SCHÄM dich!“
Wie die Geschichte weiterging, kann sich jetzt jeder denken: Selbstverständlich durfte mein Teegartenlöffel ein Stückchen von der Welt sehen – wahrscheinlich mehr als den meisten armen Löffeln vergönnt ist. Aber das die Geschichte an der Stelle nicht zuende sein würde, das hatte ich ganz ehrlich nicht erwartet: Ein paar Wochen später linste ein mir unbekanntes Gesicht um die Ecke – mit einem erwartungsvollen Strahlen in den Augen das ich mich sofort dazu brachte zu grübeln: “Ojemine, erwartet sie, dass ich sie erkenne? Wer mag das sein und was für eine Überraschung hält sie wohl für mich bereit?“
Vielleicht ahnen Sie es schon? Ein ganzes Sträußlein Löffel wurde mir lachend überreicht.
Zusammengebunden mit einer hübschen Schleife – wie ein Blumenstrauß der ganz besonderen Art, ich weiß nicht mehr ganz genau wie viele, ich glaube, es waren fünf und jeder einzelne besonders hübsch. Meinen Lieblingslöffel erkenne ich heute noch auf Anhieb wieder, er hat eine ganz zierliche Blumenreihe in den Stiel graviert.

Was soll ich sagen – Beste Gäste!!!!

Ein Strauß Löffel statt Blumen

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